Jean Paul Gaultier – sehr französisch, sexy, trickreich und eklektisch

Seit vier Jahrzehnten prägt der Franzose Jean Paul Gaultier die internationale Mode – Gaultier steht für gewagte, kritsche und ironische Design-Avantgarde. Er scheut sich nicht, gängige Schönheitsideale, Geschlechterrollen und klassische Modenormen zu hinterfragen, nicht ohne Prise augenzwinkernden Humors. Schon früh interessiert er sich für Mode, entwarf Kollektionen für seine Mutter und Großmutter – die förderten stets sein Talent. Ohne eine spezielle Designausbildung absolviert zu haben, bewarb er sich als 17-jähriger Teenager mit Entwurfzeichnungen bei verschiedenen Modehäusern in Paris, bis Pierre Cardin 1970 sein Talent erkannte und ihn als Assistenten einstellte. Sein Handwerk lernte er nur ein Jahr später, als er in das Haute-Couture-Haus von Jean Patou wechselte. Doch 1976 präsentierte Jean Paul Gaultier seine erste Prêt-à-porter-Kollektion und erregte damit sofort großes Aufsehen, mit seinen bis heute ausgefallenen, unkonventionellen, ja schrägen Entwürfen. Sein Markenzeichen entwickelte er spielend durch künstlerisch umgesetzte Entwürfe, seine unverkennbaren Einflüsse aus der Punkbewegung veranlassten ihn, schlagartig Unterwäsche als Oberwäsche zu interpretieren, was bis dato völlig neu in der Mode war. Mit extravagant gestalteten Büstenhaltern und Korsetts und dem Rock für den Mann wird er bis heute immer wieder seinem Ruf als Enfant terrible der Haute Couture gerecht. Dann im Jahr 1997 feierte er sein Debüt bei den Haute-Couture Schauen in Paris. 1999 steigt das französische Traditionshaus Hermès in sein Geschäft ein und 2003 wird er als Kreativchef für die Prêt-à-Porter Kollektionen von Hermès ernannt.
Neben seinen Prêt-à-Porter Kollektionen für die Haute-Couture entwirft er Schmuck, Schuhe, Accessoires und Damen-und Herren-Parfüms. Als Kostümbildner agierte er für zahlreiche internationale Filmproduktionen und Bühnenshows, für Madonna 1990 die gewagten Outfits der ‚Blonde Ambition Tour‘ und der ‚Confessions Tour‘ 2006 und für Kylie Minogues „X Tour‘ kreierte Gaultier 2008 die Haute-Couture-Kleidung. Die ihm gewidmete Ausstellung “ From The Sidewalk To The Catwalk “ startete im Sommer 2015 im Grand Palais in Paris und wird seit Mitte September bis Februar 2016 in der Kunsthalle München der Hypo-Kulturstiftung präsentiert. Sogar ein von ihm persönlich zusammengestellter Soundtrack zur Schau lancierte er, das Album „Jean Paul Gaultier“ – die 17 Titel sind so wie die Mode des Meisters: Sehr französisch, sexy, trickreich und eklektisch. Die Chanson-Legende Juliette Gréco, Disco-Diva Grace Jones, Amanda Lear, Sheila & B. Devotion fehlen auf Gaultiers CD genauso wenig wie die stark vertretenen 70er- und 80er-Jahre, natürlich fehlen auch Madonna und Kylie Minogue nicht – die gegenwärtige Musik wird von Gossip und Conchita Wurst repräsentiert.