Die Senator Excellence Modelle von Glashütte Original

Moderne Technologien und die Allgegenwärtigkeit von Computern, ob in Form von Smartphones, Tablets, Smart-TVs oder inzwischen sogar Smartwatches macht vielen traditionellen Industrien eindeutig zu schaffen. Eine Branche, die vielleicht noch mehr darunter leidet als die meisten anderen, ist die der Uhrmacher. Kaum ein anderes Handwerk setzt so sehr auf die Nostalgie und Romantisierung seitens der Kunden, andererseits ist die Uhrmacherkunst auch tatsächlich höchst komplex und die Uhren die hergestellt werden mehr als ein bloßes Instrument zum Ablesen der Zeit.

Trotz der weiterhin großen Nachfrage nach mechanischen Uhren als Lifestyle- und Luxusprodukt und dem doch nicht geringen Absatz an Quarzuhren, vernimmt auch die Branche, dass konstante Selbsterneuerung und eine beständige Weiterentwicklung unumgänglich sind. Ob nun durch äußeren Druck oder aus innerem Antrieb, Innovationen sind jetzt gefragt, die potentielle Kunden überzeugen und bisherige Kunden binden können.

Wie solche Innovationen aussehen können, macht nun vor allem Glashütte Original mit dem neuen Manufakturkaliber 36 vor. Mit dem neuen Werk, das in drei Modellen der klassischen Senator Excellence verbaut und zur Baselworld vorgestellt wurde, versucht GO die größten Schwächen der klassischen Mechanikuhren zu beheben und greift dabei auch auf untypische Mittel zurück. Speziell sei hier die Verwendung einer Silizium-Spirale genannt, die dank des vor allem als Halbleiter bekannten Halbmetalls unempfindlich gegenüber Temperaturschwankungen und Magnetfeldern ist und deutlich isochroner schwingt. Ergänzt wird ihre Funktion durch einen zweiseitigen Automatikaufzug und ein rückerloses Schwingsystem. So kann die Uhr immer im optimalen Aufzugsbereich gehalten und mithilfe von Gewichtsschrauben direkt am Unruhreif reguliert werden. Um sicherzustellen, dass das Werk auch den höchsten Ansprüchen gerecht wird, prüft Glashütte Original in sechs verschiedenen Lagen, was sogar noch einer mehr entspricht, als es eine Chronometerprüfung erfordern würde. Die Erwartungen an das eigene Produkt sind nun einmal sehr hoch.

Was sich aber schon in dieser Aufbaubeschreibung zeigt, ist dass GO mit dem Kaliber 36 vorerst von luxuriösen, aber nicht direkt notwendigen Komplikationen abrückt, um zunächst eine solide Grundlage für eine ganze Modellreihe zu schaffen. Statt ein weiteres Ästhetikkonstrukt für Luxusliebhaber auf den Markt zu schmeißen, macht Glashütte Original ernst und betreibt sozusagen Grundlagenforschung. Der Schwerpunkt bei der Entwicklung des neuen Kalibers lag eindeutig auf größtmöglicher Stabilität und Resilienz gegenüber Störungen, maximaler Präzision und langer Laufzeit, ohne jedoch dabei das optische zu Vernachlässigen. Während manche Uhrenfreunde dank Automatikuhr am Handgelenk sich schon vor einem kräftigen Händeschütteln fürchten, möchte Glashütte Original ein Werk schaffen, dass mit dem Klischee der überempfindlichen Mechanikuhr schlussmacht. Ein Kernaspekt bei dieser Planung ist daher der Verzicht auf überschüssige Teile, die keine grundlegende Funktion erfüllen und so nur potenzielle Verschleißpunkte darstellen, wie unter anderem die übliche Sperrklinke im Aufzugssystem. Weiter abgehärtet wird die Uhr aber zum Beispiel auch durch die smarte Bajonett-Aufhängung, die das Werk im Gehäuse fixiert. So kommt das Made in Germany Qualitätssiegel auch wirklich zur Geltung.

Wenn es um die Schwächen von mechanischen Uhrwerken geht, darf ein Aspekt nicht unausgesprochen bleiben: Die Gangreserve. Nichts ist lästiger als nach einem freien Wochenende ohne Uhr, oder auch nur einem Tag mit einer anderen Uhr am Handgelenk, das Lieblingsmodell wieder neu stellen zu müssen: Müßiges Aufziehen oder gar in der Gegend rumfuchteln, Einstellen des Tages, Einstellen des Datums, Einstellen der Uhrzeit – und dabei sind die hochkomplexen Komplikationen der wirklich teuren Modelle noch gar nicht bedacht. Einige Liebhaber helfen sich mit nicht unumstrittenen Uhrenbewegern, aber für die vielen Kritiker dieser Konstruktionen stellt das keine Alternative dar. Eine andere Lösung bietet aber die Weiterentwicklung der klassischen Mechanismen einer Gangreserve. Bei dem neuen Kaliber 36 etwa konnte mithilfe eines neuen Federhauses mit vergrößertem Durchmesser und eines gleichzeitig verkleinerten Federkerns eine längere Feder mit deutlich mehr Windungen verbaut werden. So kommen die neuen Senator Excellence Modelle auf eine Gangreserve von 100 Stunden bei vollem Aufzug. Vier Tage kann man sein Lieblingsstück so unbekümmert ruhen lassen, ohne sie bei einem neuen Anlegen komplett neu einstellen zu müssen.

Passend zum puristischen Anspruch debütiert das neue Kaliber 36 in einem der absoluten Klassiker von Glashütte Original, der Senator in der neuen Excellence Version. Schlichte aber makellose Eleganz wird mit einer schmal gehaltenen Lünette und beidseitig antireflexbeschichtetem und gewölbten Saphirglas nahezu zelebriert. Über dem schlichten Ziffernblatt, das so reduziert ist, dass nur noch bei 6 und 12 Uhr römische Ziffern als Indizes prangen, kreisen drei feine Zeiger. Einzige Ausnahme: Das dritte Modell in Anlehnung an die berühmten Beobachtungsuhren vergangener Zeiten, welches ebenfalls in einem Edelstahlgehäuse, allerdings mit schwungvollen arabischen Ziffern auf dem Ziffernblatt daherkommt. Dank großzügig aber sorgfältig aufgetragener Super-Luminova-Beschichtung ist sie auch im Dunkeln gut ablesbar und präsentiert sich so deutlich sportlicher und legerer als die anderen beiden Dresswatch-Varianten. Am Arm wird sie durch ein schwarzes Kalbslederband mit Dornschließe gehalten.
Das formellere Basismodell ist wahlweise in Edelstahl oder in Rotgold erhältlich. Das Ziffernblatt besticht durch eine helle Silber-Grainé-Lackierung und gelaserte schwarz galvanisierte Indizes bei dem Edelstahlmodell und roten gedruckten Indizes bei dem Rotgoldmodell. Die gebläuten Poire-Zeiger und der grazile Sekundenzeiger ermöglichen bei beiden Modellen ein einfaches Ablesen der Uhrzeit, als Armbänder sind in beiden Fällen schwarze Louisiana-Alligator-Lederbänder im Einsatz.
Wer bei so viel Understatement besondere Verzierungen sucht muss einen Blick durch den Saphirglasboden werfen: Hier offenbaren sich die charakteristische Dreiviertelplatine, ein meisterhaft skelettierter Rotor, gebläute Schrauben, eleganter Streifenschliff und feinste Verzierungen auf Rädern und der Rotorlaufbahn. Ein besonderes Highlight stellt die offen gestaltete Handaufzugskette dar, die den Blick freigibt auf den faszinierenden Handaufzugsmechanismus. Ganz ohne Spektakel geht eben doch nicht bei Glashütte Original.